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Zur Haftung beim Zusammenwirken mehrerer Ärzte verschiedener Fachgebiete

Ein Arzt ist grundsätzlich nur für sein Fachgebiet verantwortlich, er darf also auf sorgfältiges Arbeiten des jeweils anderen Arztes in dessen Fachgebiet vertrauen (sog. Vertrauensgrundsatz). Es besteht allerdings die Pflicht zur Koordination der beabsichtigten Maßnahmen durch gegenseitige Information und Abstimmung sowie zur Überprüfung auf Plausibilität und Klärung konkreter Zweifel.

Solange also keine offensichtlichen Qualifikationsmängel oder Fehlleistungen erkennbar werden, darf sich ein Arzt darauf verlassen, dass auch der Kollege des anderen Fachgebiets seine Aufgaben mit der gebotenen Sorgfalt erfüllt, ohne dass insoweit eine gegenseitige Überwachungspflicht besteht. Gewichtigen Zweifeln hingegen muss der Arzt nachgehen. Der überweisende Arzt darf sich in der Regel auf die Richtigkeit der von einem zugezogenen Facharzt erhobenen Befunde verlassen, muss diese aber auf Plausibilität prüfen (Prinzip der horizontalen Arbeitsteilung). Ein überweisender Orthopäde durfte also grundsätzlich der (unauffälligen) Befundung durch einen Radiologen folgen, wenn diese nicht offensichtlich falsch oder unplausibel war.

Quelle: Oberlandesgericht Frankfurt, Urteil vom 16.07.2019 – 8 U 59/17
– veröffentlicht unter juris.de

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