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Dokumentationsfehler: Anästhesist muss Honorar zurückzahlen

Verschiedene, über mehrere Jahre hinweg festgestellte Dokumentationsfehler berechtigen zur Rückforderung ausgezahlten Honorars. Dies hat das SG München auf die Klage eines Facharztes für Anästhesiologie bestätigt, der sich über mehrere Jahre hinweg mit Plausibilitätsprüfungen und Honorarrückforderungen, bezogen etwa auf Leistungen der GOP 05330 (Anästhesie/Kurznarkose) samt Nebenleistungen (GOP 05331 und 05350), konfrontiert sah. Ihm wurde vorgeworfen, er habe keine ICD-Kodierung mit Begründung abgegeben und damit fehlerhaft abgerechnet.

Im Übrigen hatte der Vertragsarzt sog. Parallelnarkosen samt Nebenleistungen vorgenommen (GOP 05330, 31821, 31822, 31823, 31822, 05340): Es gab zeitliche Narkose-Überschneidungen von mehr als fünf Minuten, obwohl es sich um höchstpersönliche, nicht delegierbare Leistungen handelte. Zudem wurden unvollständige oder fehlende Narkoseprotokolle gerügt. Bei Eingriffen unter Mitwirkung des Anästhesisten waren die Schnitt-Naht-Zeiten teilweise wesentlich länger als die Anästhesiezeiten dokumentiert. Schließlich waren Überschreitungen der Tagesarbeitszeit von 15-20 Stunden festzustellen.

Das SG hielt den Leistungsnachweis des Arztes aufgrund fehlender Operationsprotokolle für vielfach nicht erbracht. Angesichts der festgestellten Parallelnarkosen sei eine ordnungsgemäße Leistungserbringung bzw. Abrechnung zu bezweifeln. Zudem seien die Unterschiede zwischen den Anästhesie- und den Schnitt-Naht-Zeiten nicht nachvollziehbar. Normalerweise entspreche die Anästhesiezeit mindestens der Schnitt-Naht-Zeit; mitunter sei angesichts der Anästhesieeinleitung vor der Operation und der Ausleitung im Anschluss sogar länger.

Wie das Gericht betonte, haben ärztliche Dokumentationen gewissen Mindestanforderungen an Klarheit und Bestimmtheit zu entsprechen. Sie müssen aus sich heraus verständlich, nachvollziehbar und ohne Widersprüche sein. Liegen Ungereimtheiten vor, zu denen der Arzt selbst beigetragen hat, muss er diese konkret entkräften. Pauschalbehauptungen genügen dabei nicht.

Quelle: Sozialgericht München, Urteil vom 25.07.2018 – S 38 KA 645/16

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