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Behandlungsfehler beim Absehen von einer ärztlichen Maßnahme?

Das Absehen von einer ärztlichen Maßnahme ist nicht erst dann behandlungsfehlerhaft, wenn die Maßnahme „zwingend“ geboten war, sondern bereits dann, wenn ihr Unterbleiben dem im Zeitpunkt der Behandlung bestehenden medizinischen Standard zuwiderlief. Der Standard gibt Auskunft darüber, welches Verhalten von einem gewissenhaften und aufmerksamen Arzt in der konkreten Behandlungssituation aus der berufsfachlichen Sicht seines Fachbereichs im Zeitpunkt der Behandlung erwartet werden kann. Er repräsentiert den jeweiligen Stand der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und der ärztlichen Erfahrung, der zur Erreichung des ärztlichen Behandlungsziels erforderlich ist und sich in der Erprobung bewährt hat.

Im entschiedenen Fall stellte sich heraus, dass die Zugänge zu seinem Bypass verstopft waren, so dass eine erneute Operation erforderlich war. Der Patient wurde allerdings zunächst nach Hause entlassen und suchte dann eine entsprechende Fachklinik auf. Zu der geplanten Operation kam es dort allerdings nicht mehr, weil der Mann vorher verstarb. Seine Witwe machte geltend, die Ärzte hätten die Herzkatheteruntersuchung viel früher veranlassen müssen. Statt ihn nochmals nach Hause zu entlassen, hätte der Mann aus dem örtlichen Krankenhaus sofort in die Fachklinik überwiesen werden müssen; eine massiv angestaute Halsvene habe bereits früh auf Probleme mit den Herzklappen hingedeutet. Die Klage auf Schadenersatz und Schmerzensgeld wegen fehlerhafter ärztlicher Behandlung wurde abgewiesen. Die Nichtzulassungsbeschwerde der Klägerin nach Zurückweisung ihrer Berufung hatte Erfolg (vgl. Bundesgerichtshof, Beschluss vom 22.12.2015 – VI ZR 67/15).

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